Eine verwandte demaskierende Menschensicht prägt das Werk von Munch. Munchs Kunst, die dem deutschen Frühexpressionismus wesentliche Impulse gab, liegt nicht so sehr in der formalen Perfektion, als in der kompromißlosen Darstellung von Vereinsamung, Tod und Entfremdung. Der 1902 vollendete „Lebensfries“ aus 22 Einzeltafeln ist das Hauptwerk dieses Lebenskampfes. Es klingt auch in dem Bild „Der Schrei“ an.

Edvard Munch, 1863-1944
Der Schrei, 1909
Öl auf Pappe, 84 x 67 cm
Oslo, Kommunes Kunstsamlinger, Munch-Museet

Auf der jäh in die Tiefe führenden Brücke steht vorne eine hagere Gestalt, deren Gesicht die Umrisse eines Totenkopfes angenommen hat. Nach Munch war es das eigene Angsterlebnis, das ihm vor Schrecken zitternd „das große Geschrei durch die Natur“ fühlbar machte. In gedehnten Linienschwüngen gehen Himmel und Erde, Wasser und Mensch ineinander auf. Die Dinge beginnen zu strudeln. Die Macht der Natur überfällt bedrohlich den hilflosen Menschen.

Der vorstehende Artikel ist ein Beitrag aus dem Buch

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