Anlässlich des 350. Todestages Rembrandt Harmensz. van Rijn präsentieren wir auf dieser Seite in regelmäßiger Folge eine Serie von Artikeln, die dem großen Meister – seinem Leben und seinem Werk gewidmet sind.  

Rembrandt wird am 15.Juli im niederländischen Leiden geboren und verstirbt am 4. Oktober 1669 in Amsterdam.

Das oben gezeigte Selbstporträt schuf Rembrandt im Jahre 1669 in dem Jahr seines Todes.

Rembrandt und die Zuschreibung der Forschung seiner Werke

Ende des 19. Jahrhunderts wurde von einer Schweizer Familie ein Bild zum Kauf angeboten, das als ein echter Rembrandt galt. 

Das restaurierungsbedürftige Gemälde zeigte den Kopf eines Mannes mit einem Goldhelm. Mehr aus Zufall erwarb es der damalige Direktor der Berliner Gemäldegalerie 1897. Nach seiner Restaurierung galt es als Portrait von Rembrandts Bruder Adriaen. 

Schon bald gehörte es zu den berühmtesten Bildern in Berlin, wurde in großen Mengen als Postkarte reproduziert, war allgemeines Bildungsgut bis hin zu den Lesebüchern der Schulen. 

Nachdem die Kunstgeschichte das Gemälde in die Mitte der fünfziger Jahre datiert hatte (das Bild selbst ist weder datiert noch signiert), wurde die Idee aufgegeben, es handele sich um ein Portrait von Rembrandts Bruder, und es erhielt es den Titel „Der Mann mit dem Goldhelm„. Erst zu Beginn der siebziger Jahre identifizierten es einige Forscher als „Mars, nach dem Schweigen der Waffen“.

Der Mann mit dem Goldhelm, ca. 1650
Leinwand, 67 x 50 cm, Bredius 128 Berlin-Dahlem, Staatliche Museen, Gemäldegalerie

1985 machte dieses berühmte Bild, das Jahr für Jahr viele Besucher der Berliner Museen in seinen Bann gezogen hatte, Schlagzeilen. Exakte wissenschaftliche Untersuchungen hatten angeblich bewiesen, dass es sich bei dem Gemälde nicht um ein Werk von Rembrandt selbst handelte. In Kunsthistorikerkreisen waren seit 1969 Vermutungen laut geworden, dass dieses berühmte Bild nicht von der Hand des großen holländischen Meisters stamme, sondern von einem Schüler. Röntgenaufnahmen und Untersuchungen mit Infrarotlicht ergaben keine eindeutigen Hinweise. Daraufhin wandten sich die Berliner Wissenschaftler an ihre Kollegen von der Physik, um mit Hilfe eines Kernreaktors eine Autoradiographie des Bildes herzustellen, durch die sämtliche Untermalungen genau studiert werden können. Drei Jahre benötigten die Physiker, um in Zusammenarbeit mit Restauratoren und Kunsthistorikern ihren Kernreaktor für diesen Zweck zu präparieren. Das Ergebnis liegt nun vor. „Der Mann mit dem Goldhelm“ stammt nicht von Rembrandt, sondern von einem seiner Schüler. Um welchen der zahlreichen Mitarbeiter in Rembrandts Werkstatt es sich handelt, ist offen.

Die Beweismittel führten zu einer neuen Beurteilung des Bildes. Ende letzten Jahrhunderts wurde das Gemälde erstmals in höchsten Tönen gelobt. Damals sprach der Kunsthistoriker Ferdinand Laban von einer „stupenden Bravour der malerischen Mache“, von „Kühnheit und Zartheit des Effekts“ und von „künstlerischer Treffsicherheit“. 1948 beurteilte Jacob Rosenberg in seiner großen Rembrandt-Monographie das Bild folgendermaßen: „Es ist unmöglich, mit wenigen Worten diesem Meisterwerk gerecht zu werden, an dem moderne Kritiker besonders die Kühnheit von Rembrandts Technik bei dem grandiosen Impasto des Helms rühmen. … (Der) Gegensatz zwischen dem Glanz des Helms und dem gedämpften Licht, in das das Gesicht getaucht ist, macht einem die greifbaren und ungreifbaren Kräfte in Rembrandts Welt sowie ihren untrennbaren inneren Zusammenhang bewußt. Wie bei seinen größten Werken fühlt man auch hier, wie das Wirkliche mit dem Visionären verschmilzt, wobei dieses Gemälde durch sein inneres Glühen und seine tiefe Harmonie in der Wirkung der Musik näher steht als der bildenden Kunst.“

Diesen emphatischen Worten durchaus ernst zu nehmender Wissenschaftler werden heute andere Töne entgegengesetzt. So erfuhr der Leser der Kunstzeitschrift „art“: „Auch einem Laien könnte auffallen, dass der Helm ,falsch‘ auf dem Kopf sitzt: Mit der Perspektive scheint etwas nicht zu stimmen. Kenner fanden weitere Mängel. Der Kunsthistoriker Jan Kelch … schreibt …, dass der Wechsel von Licht und Schatten im Gesicht ausgeprägter sein müsste …“ Die Untersuchungen durch den Kernreaktor führten dazu, dass auch das, was immer schon bekannt war und was man bislang als grandios empfunden hatte, nun herabgewürdigt wurde.

Das Werk „Der Mann mit dem Goldhelm“ ist kein Einzelfall. Berühmte Bilder wie „David spielt Harfe vor Saul“ oder „Der polnische Reiter“, wurden durch den lapidaren Vermerk „Rembrandt Werkstatt“ abgewertet. Seit 1968 ist das „Rembrandt Research Project“, ein umfassendes Forschungsvorhaben in den Niederlanden, darum bemüht, Klarheit über das Werk des Malers zu schaffen und die wirklich authentischen Gemälde von denen der Werkstatt zu scheiden. Aber es wird sicherlich noch Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis die Forschungen auf diesem Gebiet abgeschlossen sind, alle Rembrandt zu geschriebenen und mit „Rembrandt“ signierten Werke genau überprüft und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf ihre Echtheit hin untersucht worden sind.

Anmerkung zu den Bildunterschriften:

In den Bildunterschriften findet sich de Name „Bredius“ gefolgt von einer Zahl.
Diese Angabe bezieht sich auf den Katalog von A. Bredius, Rembrandt Gemälde, Wien 1935

Quellennachweis:

Text und Bilder sind vom Rechteinhaber autorisierte Auszüge des Werkes:
REMBRANDT  Zijn Leven & zijn Werk, von Susanna Bartsch,
© Originalausgabe 1994 by: VBI / Royal Smeets b.v., Weert, Holland.
© 2002 all rights by: Media Serges, Weert, Holland und Serges Medien, Solingen

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