Als erster entdeckte Henri Matisse die Palette reiner leuchtender Farben und die kräftige Linie. „Genauigkeit ist nicht Wahrheit“, predigte Matisse. Der dunkel gehaltenen Malerei stellte er die Reinheit des Kolorits entgegen. Bemerkenswert ist, dass Matisse in dieser Manier bereits vor 1905 malte. 

Im Jahre 1898 hatte er in intuitivem Anlauf einen männlichen Akt ganz in Blau gemalt, 1899 auch ein Cézanne-Gemälde erworben, „Drei Badende“, das er erst 1936 aus der Hand gab. „Meine ganze Zuversicht und Beständigkeit habe ich daraus gewonnen“, bekannte Matisse. Cézanne musste Matisse davon überzeugt haben, dass jedes Bild sich allein aus der reinen, vollen Farbe entwickeln ließ. Matisse betonte zudem ihren dekorativen Rhythmus und ihren musikalischen Klang. Jedes Bild sei eine optische Sensation. „Ich schaffe keine Frau, ich mache ein Bild“, betonte er.

Den Ausdruck sah er nicht in der expressiven Form van Goghs oder der deutschen Expressionisten. „Für mich liegt der Ausdruck nicht in der Leidenschaft, die in einem Gesicht aufblitzt oder sich in einer heftigen Bewegung äußert. Der Raum, den die Körper einnehmen, die leeren Partien um sie, die Proportionen: dies alles hat seinen Teil daran.“ Auf dieser Ebene ist das Werk von Matisse zu beurteilen und erklärt auch seine Faszination auf die ehemaligen Schüler von Gustave Moreau und die jüngeren Malerkollegen wie Albert Marquet, Henri Manguin, Charles Camoin und Jean Puy. Hinzu kamen das Freundespaar Maurice Vlaminck und André Derain sowie zuletzt die drei aus Le Havre stammenden Maler Othon Friesz, Raoul Dufy und Georges Braque. Auch der Holländer Kees van Dongen stellte seine Werke zusammen mit den Fauvisten aus.

Kopf dieser Künstlergruppe, die nur wenige Jahre gemeinsam ausstellte, war Matisse. Gerade das hier gezeigte Gemälde „Frau mit Hut“ ein Porträt seiner Frau, hatte jenen Skandal ausgelöst, der den Malern dieser Vereinigung den Begriff: „Die Wilden“ einbrachte.

Henri Matisse, 1869-1954
Frau mit Hut, 1905
Öl auf Leinwand, 80,6 x 59,7 cm
San Francisco, Privatsammlung

Der vorstehende Artikel ist ein Beitrag aus dem Buch

Die Malerei des 20.Jahrhunderts“

von Gottlieb Leinz, das auch die hier gezeigten Bilder beinhaltet.

In diesem digitalen Werk begegnen Ihnen die Väter der Moderne von Gauguin bis Munch ebenso wie die fauvistischen Künstler um Matisse in Paris. Sie erleben den Werdegang der Künstlergemeinschaften „Bücke“ und „Blaue Reiter“ und den unabhängigen Expressionisten um Kokoschka, Schiele und Corinth sowie mit Picassos den Beginn des Kubismus, die zeitgenössische Malerei, den Dadaismus, Surrealismus, Konstruktivismus, Dadaismus, Pop Art, Fotorealismus, die Kunst von Joseph Beuys und die Malerei der Neuen Wilden.

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