Das„Staatliche Bauhaus“ wurde im Jahre 1919 von dem Architekten Walter Gropius  als Hochschule für Bau und Gestaltung in Weimar gegründet. Sechs Jahre Später nach Dessau verlegt und 1933 zwangsweise aufgelöst. Der „Bau der Zukunft“ – so Gropius – sollte Architektur, Malerei und Plastik verschmelzen. Unter Mitarbeit bedeutender Künstler war das Bauhaus eine Institution, die alles Gestaltbare – von Architektur bis hin zu den industriell hergestellten Gebrauchsgegenständen – einer funktional ästhetischen Prägung unterziehen wollte. Neben Walter Gropius waren Lionel Feininger, Johannes Itten, Gerhard Marcks, Georg Muche, Paul Klee,Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky, Mies van der Rohe – u.v.a.m. – als Lehrer am Bauhaus  tätig.


Anlässlich des hundertsten Gründungsjubiläums 2019 widmet sich dieser Blogbeitrag bedeutenden Lehrern – den Formmeistern – des Bauhauses. 

Im heutigen Beitrag wird das Leben und Werk des bedeutenden schweizer Malers und Kunstpädagogen  Johannes Itten beschrieben, der von 1919 bis 1923 am staatlichen Bauhaus in Weimar und Dessau lehrte. Während dieser fruchtbaren Lehrtätigkeit entwickelte Itten systematische „Methoden zur künstlerischen Erziehung des schöpferischen Menschen“, später bekannt als „Vorkurs des Lehrstudiums in Weimar“ – bevor er 1926 in Berlin die sog. „Itten-Schule“ gründete.

Johannes Itten

Schweizer Maler und Kunstpädagoge, wurde am 11.11.1888 in Südern-Linden, Thun im Berner Oberland, geboren. Er verstarb am 25.03.1967 in Zürich.

Itten entwickelte – ausgehend vom Orphismus Robert Delaunay – eine Formenlehre, die die optischen und  strukturbedingten Qualitäten der Farbe in figurativen wie abstrakten Gestaltungen voll auszuschöpfen suche. 

Nach dem Pädagogik Studium an der Universität von Bern (1904-12) besuchte er 1913-16 als Schüler von Adolf Hoelzel die Akademie in Stuttgart. Hier traf er auch Ida Kerkovius, Willi Baumeister und Oskar Schlemmer.

Von Hoelzels Farbkontrastlehre beeindruckt, malte er seine ersten geometrisch-abstraken Bilder, z.B. Horizontal-Vertikal (1915 Muri, Sammlung V. Loeb), die 1916 in Herwarth Waldens Berliner „Sturm Galerie“ ausgestellt wurden.

1916-19 lehrte Itten an seiner eigenen Schule in Wien. Bereits in dieser Zeit arbeitete er theoretisch und in experimentellen Kompositionen intensiv an einer mathematisch und musikalisch begründbaren Farb- und Formanalyse.

Über Alma Mahler machte er die Bekanntschaft mit Walter Gropius, der ihn 1919 als Lehrer an das neu gegründete staatliche Bauhaus in Weimar berief. 

Während dieser fruchtbaren Lehrtätigkeit (1919-23) entwickelte Itten systematische Methoden zur künstlerischen „Erziehung des schöpferischen Menschen“, die später als „Vorkurs des Lehrstudiums Weimar“ bekannt geworden sind und in ihrer Systematik und Fragestellung noch bis heute wirken.

1926 gründete Itten in Berlin die sog. Itten-Schule, 1932-35 leitete er die Textilien-Kunstschule in Krefeld, 1938 führte ihn die Emigration über Amsterdam nach Zürich, wo er bis 1953 Leiter der dortigen Kunstgewerbeschule und des Kunstgewerbemuseums war.

Im Mittelpunkt von Ittens Malerei steht die Farbe, stehen ihre Simultan- und Kontrastwerte, die in der parallel verlaufenden figurativen und gegenstandslosen Werkentwicklung die dominierende Rolle spielen. Die frühen geometrisch-abstrakten, dann kubisch gebrochenen Bildelemente, wie bei Ländliches Fest (1917 Privatbesitz), wurden in den dreißiger Jahren durch vorwiegend figurative, lyrische Themen abgelöst, wie bei Vögel am Meer (1935, Zürich, Sammlung Anneliese Itten). Im Spätwerk nach etwa 1955 stehen dagegen wiederum in geometrische Formen oder in kleinteilige Raster geordnete Farbklänge im Vordergrund, wie etwa bei dem Zyklus Die vier Jahreszeiten (1963, Zürich, Privatbesitz).

Johannes Itten, Variation III, 1957
Öltempera auf Karton, 90 x 64 cm, Stuttgart, Staatsgalerie.


Bilder- und Textbeitrag „Lexikon der Kunst“, Herder Verlag – © Serges Medien, Solingen
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