Das„Staatliche Bauhaus“ wurde im Jahre 1919 von dem Architekten Walter Gropius  als Hochschule für Bau und Gestaltung in Weimar gegründet. Sechs Jahre Später nach Dessau verlegt und 1933 zwangsweise aufgelöst. Der „Bau der Zukunft“ – so Gropius – sollte Architektur, Malerei und Plastik verschmelzen. Unter Mitarbeit bedeutender Künstler war das Bauhaus eine Institution, die alles Gestaltbare – von Architektur bis hin zu den industriell hergestellten Gebrauchsgegenständen – einer funktional ästhetischen Prägung unterziehen wollte. Neben Walter Gropius waren Lionel Feininger, Johannes Itten, Gerhard Marcks, Georg Muche, Paul Klee,Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky, Mies van der Rohe – u.v.a.m. – als Lehrer am Bauhaus  tätig.


Anlässlich des hundertsten Gründungsjubiläums 2019 widmet sich dieser Blogbeitrag bedeutenden Lehrern – den Formmeistern – des Bauhauses. 

Im heutigen Beitrag wird das Leben und Werk des bedeutenden Malers und Architekten  Georg Muche beschrieben, den Walter Gropius 1919 zunächst als Formmeister der Holzbildhauerei an das Bauhaus in Weimar berief, wo Mu­che 1921- 27 ebenfalls als Formmei­ster (Professor; ab 1925 in Dessau) die Webereiklasse leitete und dort auch die erste Bauhausausstellung organisierte.

Georg Muche

Leben und Werk

Muche, Georg,* 8. 5. 1895 in Querfurt bei Halle an der Saale, t26. 3. 1987 in Lindau; abstrakter und surrealistischer Maler sowie Architekt, begann 1913 das Studium der Malerei an der Schule von Anton Azbe ( 1862 – 1905) in Mün­chen.

In Berlin, wo er seit 1915 lebte, malte er abstrakte Bilder, wie Fließen­des Rot (1916, Krefeld, Kaiser-Wil­helm-Museum), Bild mit Gittermotiv in der Mitte (1919, Berlin, Galerie des 20. Jahrhunderts) und Abstraktion (1919, Wuppertal, Von-der-Heydt-Mu­seum) oder Komposition mit schwar­zer und grüner Form (1920, Bonn, Städtische Kunstsammlungen). Nach­dem er seit 1916 an der Berliner Kunst­schule des Sturm gelehrt hatte, be­rief ihn Walter Gropius 1919 zunächst als Formmeister der Holzbildhauerei an das Bauhaus in Weimar, wo Mu­che 1921- 27 ebenfalls als Formmei­ster (Professor; ab 1925 in Dessau) die Webereiklasse leitete. Er organisierte die erste Bauhausausstellung 1923 und lieferte die Entwürfe für ein Versuchs­haus in Weimar und 1925 für ein vorfa­briziertes Stahlhaus in Dessau (erbaut 1926). 

Ab 1921/22 wandte er sich von der abstrakten Malerei ab und widmete sich der poetisierenden Darstellung von Menschen und Pflanzen. Nach sei­ner Lehrtätigkeit an der Kunstschule von Johannes Itten in Berlin (ab 1927) wurde er 1931 an die Breslauer Akade­mie berufen, aber 1933 entlassen. 

Er unterrichtete 1933 – 38 an Hugo Hä­rings Schule »Kunst und Werk« in Ber­lin und leitete anschließend bis 1958 die Meisterklasse für Textilkunst an der Textilingenieurschule in Krefeld. Schon ab 1950 suchte er in einer das Gegenständliche verfremdenden Mal­weise die irrealen Hintergründe der sichtbaren Welt deutlich zu machen, wie in dem Bild mit totem Vogel (1954, Schlüchtern, Sammlung L. Steinfeld) oder Spanisches Interieur mit dem Kreuz in der Mitte (1957, Hamburg, Sammlung Schwarzkopf). 

Seit 1970 widmete er sich auch zeitkri­tischen Themen, malte in seinen letzten Lebensjahren jedoch in der Über­zeugung, sein malerisches Werk abge­schlossen zu haben und die Malerei hinter die neuen Medien (Film, Video, Computer etc.) zurücktreten lassen zu müssen, nur noch sehr wenig. 

Georg Muche, Komposition mit schwarzer und grüner Form, 1920.
Öl auf Pappe, 71,5 x 53,8 cm.
Bonn, Städtische Kunstsammlungen. 


Bilder- und Textbeitrag „Lexikon der Kunst“, Herder Verlag – © Serges Medien, Solingen
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